Fahren und dabei messen, wie weit das Netz wirklich reicht. Du nimmst dein Funkgerät ins Auto, das Handy sendet alle paar hundert Meter ein kurzes Signal, und am Ende steht auf einer Karte, wo Empfang war und wo nicht.
Der Name kommt aus den Neunzigern, als Leute mit dem Laptop durch die Stadt fuhren und WLAN-Netze aufzeichneten. Gemeint ist heute dasselbe Prinzip: messen statt schätzen.
Die häufigste Frage im Netz ist: Komme ich von dort aus rein? Darauf gibt es bisher zwei Antworten, und beide sind unbefriedigend.
Rechnen. Der !sicht-Befehl legt eine Sichtlinie über das Geländemodell und sagt, ob ein Berg im Weg steht. Das ist nützlich, aber es rechnet auf dem nackten Boden. Wald, Häuser und Masten stehen nicht im Modell. „Frei" heißt dort: der Berg steht nicht im Weg — nicht: die Verbindung steht.
Probieren. Hinfahren, !ping tippen, schauen ob was zurückkommt. Ehrlich, aber mühsam, und das Ergebnis kennt nur der, der dort war.
Wardriving ist der dritte Weg: Es misst die Wirklichkeit und schreibt sie für alle auf. Nicht was das Höhenmodell erlaubt, sondern was durch Wald, Regen und Häuserzeilen tatsächlich ankommt — und zwar an tausend Punkten statt an einem.
Was man damit beantworten kann:
| Frage | Wie Wardriving sie beantwortet |
|---|---|
| Wo sind die Löcher? | Weiße Flecken auf der Karte sind ungemessen, rote sind gemessen und tot. Erst der Unterschied macht die Planung ehrlich |
| Lohnt ein Repeater an diesem Punkt? | Vorher hinfahren und messen, statt Hardware auf Verdacht auf einen Berg zu tragen |
| Bringt die neue Antenne was? | Dieselbe Strecke zweimal fahren, vorher und nachher |
| Deckt der Repeater das ab, was er soll? | Das Versprechen aus der Repeaterliste gegen die Messung halten |
| Ist das Tal versorgt oder nur die Straße? | Auf 300 m genau, in der Detailansicht auf 100 m |
Für Nicht-Techniker in einem Satz: Es ist wie eine Handy-Netzabdeckungskarte, nur dass sie niemand kauft — sie entsteht dadurch, dass Leute mit eingeschaltetem Gerät herumfahren.
Entscheidend ist Schritt 4. Ohne Beobachter bleibt die Karte leer, egal wie viel gefahren wird. Für Kärnten ist das erledigt — der Beobachter läuft, die Region klu.meshmapper.net steht seit dem 17. August 2026. Wie es aufgesetzt ist, weiter unten.
Es gibt zwei ernstzunehmende Wege, und sie lösen unterschiedliche Probleme.
| MeshMapper | Meshcore-Wardrive | |
|---|---|---|
| Plattform | Android, iOS, Web | nur Android |
| Karte | gemeinsame Community-Karte | eigene, lokal oder selbst gehostet |
| Braucht Internet | ja, für den Upload | nein, läuft offline |
| Braucht Beobachter im Gebiet | ja — für Kärnten erledigt | nein |
| Lizenz | proprietär, kostenlos | GPL-3.0, quelloffen |
| Reif? | im Betrieb, viele Regionen | Beta (1.0.42, Juli 2026) |
| Gut für | Erreichbarkeit im ganzen Netz prüfen | Blindzonen suchen, Standorte planen |
Der Community-Standard. meshmapper.net zeigt eine gemeinsame Karte, aufgeteilt in Regionen mit eigener Adresse — Wien liegt auf vie.meshmapper.net, Linz auf lnz.meshmapper.net. Die Kennung ist der IATA-Flughafencode der Region.
Die App misst nicht nur, ob dein Signal ankam, sondern ob es zurückkam. Das ist der wichtige Unterschied: Ein Signal, das den Repeater erreicht, aber dessen Weiterleitung du nicht mehr hörst, ist keine Verbindung — es ist ein halber Draht.
Die Karte liegt in einem Raster von 300 × 300 m, in der Detailansicht 100 × 100 m. Liegen mehrere Messungen in einer Zelle, gewinnt die beste.
| Farbe | Kürzel | Bedeutung |
|---|---|---|
| Grün | BIDIR | Beide Richtungen bestätigt — hier funktioniert es wirklich |
| Cyan | DISC | Repeater hat auf eine gezielte Anfrage geantwortet |
| Orange | TX | Gesendet, aber keine Weiterleitung gehört — halber Draht |
| Violett | RX | Fremden Verkehr gehört, selbst nichts gesendet |
| Grau | DEAD | Repeater hat empfangen, aber nicht weitergeleitet |
| Rot | DROP | Nichts angekommen, kein Repeater hat reagiert |
Grün ist das Ziel. Orange ist die interessanteste Farbe — dort steht ein Repeater in Hörweite, aber die Verbindung trägt nicht zurück. Das ist meist ein Antennen- oder Aufstellungsproblem, kein Standortproblem, und oft billig zu beheben.
| Modus | Was er tut | Wann |
|---|---|---|
| Hybrid | wechselt zwischen gezielter Abfrage und Kanalnachricht, Mindestabstand 25 m, pausiert im Stehen | Voreinstellung, bester Kompromiss |
| Passiv | nur Nachbarschaftsabfragen ohne Hop, alle 30 s | Wenn du das Netz nicht belasten willst |
| Trace | pingt einen einzelnen Repeater gezielt an | Antennenausrichtung, einen Standort prüfen |
| Manuell | ein Ping auf Knopfdruck | schneller Test an einem Punkt |
| Aktiv | nur Kanalnachrichten alle 15–60 s | veraltet, Hybrid ist besser |
Hybrid braucht auf den Repeatern Firmware 1.10 oder neuer, einzelne Funktionen 1.14.0 oder neuer.
Der Gegenentwurf von mintylinux auf GitHub: eine Android-App, die alles lokal macht. GPS im Hintergrund, Anbindung ans Funkgerät per USB oder Bluetooth, Abdeckung wird auf einer OpenStreetMap-Karte zusammengefasst. Hochladen ist freiwillig, eine eigene Karte kann man selbst betreiben.
Der Vorteil: keine Abhängigkeit. Kein Backend, kein fremder Server, keine Region, die erst freigeschaltet werden muss. Man installiert die APK, fährt los und hat am Abend eine Karte.
Der Preis: Die App arbeitet über die Nachbarschaftsabfrage. Sie zeigt, welcher Repeater von wo aus hörbar ist — sie beweist nicht, dass eine Nachricht durchs ganze Netz kommt. Für Standortsuche reicht das, für „ist Klagenfurt von hier erreichbar" nicht. Version 1.0.42 ist als Beta gekennzeichnet.
Wardriving flutet das Funknetz. Jeder Ping im Hybrid- oder Aktiv-Modus wird von jedem Repeater weitergeleitet — genau wie eine normale Nachricht. Alle 25 Meter einer.
Das steht im Widerspruch zu der Regel, nach der bei uns sonst alles gebaut ist: Sendezeit ist das knappste Gut. Der Bot antwortet höchstens zwölf Mal in zehn Minuten und schweigt lieber, als eine Absage zu funken. Ein Wardriver im Auto erzeugt in derselben Zeit ein Vielfaches davon.
Daraus folgt kein Verbot, aber ein paar Regeln:
#at-ktn ankündigen. Wer eine Stunde lang das Netz belegt, sagt vorher BescheidWas über Funk geht und was zum Server geht, ist nicht dasselbe:
Wer das nicht will, nimmt Meshcore-Wardrive — dort verlässt nichts das Handy.
Seit 17. August 2026 gibt es die Region: klu.meshmapper.net. Der Beobachter meldet, die Kette steht. Was fehlt, ist jemand, der fährt.
Die Karte füllt sich nicht von selbst. Wardriving-Pings kommen aus der App, nicht vom Beobachter — der hört nur zu. Solange niemand mit laufender App unterwegs ist, bleibt das Abdeckungsraster leer. Repeater-Marker tauchen dagegen von allein auf, weil der Beobachter auch den normalen Netzverkehr meldet.
Für die erste Fahrt reicht: App installieren, Companion-App trennen (MeshCore kann nur eine BLE-Verbindung), in der Wardriving-App koppeln, Hybrid-Modus, losfahren. Vorher auf #at-ktn kurz Bescheid sagen.
| Admin | Kontakt |
|---|---|
| OE8YML | t.me/oe8yml · oe8yml@rednil.at |
| JhoGraessl | t.me/JhoGraessl |
An sie wenden, wenn etwas auf der Karte nicht stimmt. Regionsadmins können mehr, als man vermutet:
Wenn also ein Repeater an der falschen Stelle steht oder eine Fahrt Unsinn eingefärbt hat: nicht wegdiskutieren, sondern melden. Das ist in zwei Minuten korrigiert.
Für alle, die einen zweiten Beobachter anbinden oder verstehen wollen, was da läuft.
Region: Code KLU — ein IATA-Code muss es sein, und Klagenfurt ist der einzige Flughafen im Land. Das Gebiet ist trotzdem ganz Kärnten, nicht bloß der Zentralraum: Die Grenze kam als GeoJSON aus der OpenStreetMap-Relation ISO3166-2=AT-2 ins Formular, 923 Punkte, 9517 km². Mittelpunkt 46.77393, 13.91753, der Flächenschwerpunkt des Landes. Dass eine Region ein ganzes Bundesland sein darf, zeigt Vorarlberg — das läuft unter HOH, dem Code des Flugfelds Hohenems.
Beobachter: Die passende Software lief schon. Der Container meshcore-bridge auf host-node-01 ist meshcore-packet-capture, also genau das Projekt, das MeshMapper als Beobachter dokumentiert. Er hing bereits am lokalen Mosquitto und an mqtt.carinthiamesh.com; MeshMapper kam als dritter Broker dazu. Die Software zählt die Broker ab MQTT1 durch und bricht beim ersten fehlenden PACKETCAPTURE_MQTT<n>_ENABLED ab — die Nummern müssen also lückenlos bleiben.
| Einstellung | Wert |
|---|---|
| Server | mqtt.meshmapper.net |
| Port | 443 |
| Transport | WebSockets |
| TLS | ja, mit Zertifikatsprüfung |
| Anmeldung | MeshCore Auth Token |
| Token-Audience | mqtt.meshmapper.net |
| IATA | KLU |
Es gibt nichts zu beantragen und keine Zugangsdaten zu holen. Der Node signiert das Token selbst mit seinem Ed25519-Schlüssel („on-device signing"), Owner-Key und Mailadresse kommen aus den globalen PACKETCAPTURE_OWNER_*-Werten. Veröffentlicht wird unter meshcore/KLU/<public_key>/packets.
Angebunden ist derzeit AT-VL-Nötsch-Observer. Empfohlen sind zwei bis drei an verschiedenen Orten — Nötsch hört das Gailtal und nach Slowenien gut, den Zentralraum und das Lavanttal weniger. Wer einen zweiten Standort betreibt, nimmt denselben Block.
Reihenfolge, falls jemand das anderswo nachbaut: Beobachter anbinden → prüfen, ob die Verbindung steht → dann erst die Region beantragen. Ein Antrag ohne bestätigte MQTT-Verbindung wird nach drei Tagen automatisch gelöscht.
Dafür ist die zweite App gedacht, und der Grund liegt darin, dass sie etwas anderes misst.
MeshMapper prüft, ob eine Nachricht durchs ganze Netz kommt. Dazu braucht es die volle Kette: Ping → Repeater → Beobachter → Internet → Karte. Meshcore-Wardrive fragt stattdessen nur: Welchen Repeater höre ich von hier aus? Das beantwortet das Gerät selbst, sofort, ohne dass irgendwer mithören muss. Deshalb braucht diese App keine Region, keinen Beobachter und kein Internet.
Und genau diese Frage ist die richtige, wenn ein Standort gesucht wird:
Ein neuer Repeater nützt nur, wenn er selbst das bestehende Netz erreicht. Er muss ja irgendwo anhängen — ein Repeater, den niemand hört, versorgt niemanden.
In Hermagor steht kein Repeater. Fährt man dort mit der App herum, sieht man, an welchen Stellen man trotzdem noch einen bestehenden hört — etwa von einer Kuppe aus die Göriacher Alm. Das sind die Kandidaten: dort gibt es Anschluss ans Netz und Sicht ins Tal darunter. Wo nichts antwortet, kann man bauen was man will, es hängt an nichts.
!sicht rechnet dasselbe aus dem Höhenmodell — aber auf dem nackten Boden, ohne Wald und Häuser. Die App misst es stattdessen. Am besten beides: rechnen, welche Kuppen überhaupt in Frage kommen, dann hinfahren und nachmessen.
Wo das gerade gebraucht wird: In Feldkirchen und Hermagor steht kein einziger Repeater → Lückenliste
Bildschirmfotos fehlen hier noch. Sinnvoll wären vier: die Kartenansicht mit eingefärbtem Raster, der Verbindungsbildschirm mit dem gekoppelten Gerät, die Betriebsart-Auswahl und eine gefahrene Strecke aus Kärnten. Die macht am besten, wer zuerst fährt — fremde Bildschirmfotos hier einzubinden wäre rechtlich unsauber und würde brechen, sobald die andere Seite etwas ändert.
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